SM 2007 - Eulachhallen, Winterthur 15.09.2007 PDF Drucken E-Mail
News & Berichte
Geschrieben von: Àgnes & Luigi   
Sonntag, 16. September 2007 um 21:48 Uhr

Hier nun der Bericht zur Schweizer Meisterschaft in der HK II Latein.


schweizermeisterschaft_2007_-_by_dancepix2_20071009_1226571409 Das Ereignis des Jahres, so zumindest für viele. Die Schweizermeisterschaft, netterweise auch SM genannt. Das Ereignis auf das man hin-trainiert,-fiebert und-angstet. Wir waren nicht gerade zuversichtlich, als wir uns am Samstag Vormittag ins Auto setzten, aufgebrezelt, gebräunt und frisiert, innerlich aber skeptisch, ängstlich - gross waren doch die Lücken im Training gewesen, blank die Nerven aufgrund der doppelten Belastung Job und Ambitionen auf dem Parkett - nur wollte es niemand zugeben. Dementsprechend ruhig war es im Auto, nur zwischendurch die scheue, eigentlich rhetorische Frage: „Geit’s dir guet?“ ...

Kaum haben wir die Hallen betreten, das Startbuch abgegeben und die Infos (ein richtiges Dossier) zur Kenntnis genommen, war’s vorbei mit der Ruhe: überall glitzerte es, Leute wieselten durch die Gänge, es roch nach altem Schweiss und Haarspray: Turnierluft!

Aus auch mit der vorgetäuschten Ruhe, zumindest mein Bauch rebellierte gegen meinen kläglichen Versuch, ruhig und gelassen zu sein. Aus vorbei – jetzt renn mal schön!

Endlich ins Kleid gezwängt (warum sind die immer so knapp??), das Make-up für Luigi vergessen und dementsprechend hysterisch improvisiert, runter in die Halle, eintanzen, bewegen, schwitzen – egal, etwas tun, so dass der Bauch auf andere Gedanken kommt.
Wir nutzten die Zwischenrunde der HK D/C um auf Touren zu kommen, und mussten schon ganz fest auf die Zunge beissen, um nicht irgendwelche Korrekturen vom Stapel zu lassen, die eh nichts mehr bringen: doch: noch mehr Bauchweh.
14:00: Heat 1: Samba: die ersten 4 Takte, dann lief’s irgendwie. Erstaunlich gut, so hatte ich zumindest das Gefühl. Plötzlich kam der Biss, ich will ins Finale, ich will!
Nach der Vorrunde das bange Warten. Wir verbrachten die Zeit damit, Fotos zu machen und das Finale der Lateiner D/C zu schauen, Freunde anzufeuern.
Die Marksliste bestätigte, was wir nur zu hoffen wagten: mit 34 von 35 möglichen Marks zogen wir als zweitbestes Paar ins Finale ein. Juhuu! Und auch, oh Schreck, das heisst nochmals, aber erst in 8 Stunden, das Finale war erst abends um 22:00 angesetzt. Hmmmmmmmm

Zum Glück gibt’s Familie, einen Garten, gute Worte und Essen. In Schaffhausen erholten wir uns von den ersten Strapazen, philosophierten über Mögliches und Unmögliches, hörten Geschichten von Lia (Luigis Göttimeitli) und schwatzen mit Rebi, die’s nun endlich geschafft hat auch an ein Turnier zu kommen, und erst noch brav die Kamera bedient hat ,und verdrückten von Mutters liebevoll gebruzelten Pouletbrüstli mit Salat. Tolle Unterstützung!

Zum Glück gibt es Nerven, denn wenn die nicht wieder angespannt gewesen wären, hätte ich im Auto, zurück nach Winterthur, geschnarcht. Same procedure: Schweigen, Bauch im Griff halten, hoffen und bangen.

Ab ins neue Kleid, Make-up Refresh, wieder in die Halle, wieder aufwärmen. Hilfe, ich fühl mich gar nicht wohl, ich hoffe nur, ich krieg das hin. Ich redete mir selber Mut zu, versuchte den Knoten aus meinen Beinen zu kriegen und schlotterte, trotz der tropischen Hitze in der ausverkauften Halle. Unglaublich: Über 1000 Leute, die klatschten, schrien, pfiffen und jubelten. Das ist Turnierkulisse, das ist mal Sport life!

Nach den letzten Anweisungen des Turnierleiters und einem Wechsel im Wertungsrichterteam ging‘s aufs Parkett. Na gut, laufen konnte ich noch – aber tanzen. Was wosch, Ouge zue u düre, aber lächle nid vergässe…. Grmpf! Vor lauter Atemnot gab nach dem Cha-Cha sogar mein Bauch Ruhe, meine Lunge hatte im Körper die Oberhand gewonnen. Nicht vergessen, atmen, Schultern runter, blabla, ich krieg keine Luft, Mist, voll verpatzt, das war das einzige, was im Hirn noch Platz hatte.
Nach der letzten Verbeugung, dem letzten Spurt der Finalisten Richtung Zuschauer, war’s vorbei, das Finale, das man erhofft, erwartet, getanzt und erzittert hat. Aus, vorbei, die Würfel sind gefallen. Aber mir war nicht sehr Mirakulös zu Mute, im Gegenteil, ein ganz schlechtes Gefühl machte sich breit, ich hab’s vergeigt, ich war steif, liess mich nicht führen, der ganze Trainingsrückstand schwappte über mir zusammen. Mein Tänzer war mir auch keine Hilfe, sass er doch in der Ecke und grummelte, ob mit sich oder mir wollte ich gar nicht wissen. Na ja, mal nach draussen, etwas Luft. Jetzt kann man nur noch warten.

Rangverkündigung:
Die SM Finals werden immer verdeckt gewertet, d.h. nur die Turnierleitung weiss, wer auf welchem Platz ist, keine Zahlen, keine Rechnereien seitens der Paare oder der Zuschauer.
Das bedeutet für Unbeteiligte eine gewisse Spannung, für die Finalisten eine Tortur, wie die Maus vor der Schlange wartet man auf den Anfangsbuchstaben, könnte er zum eigenen Namen gehören? Ist der Platz hinten, in der Mitte oder vorne. Insgeheim wünschten wir uns natürlich einen Podestplatz, doch schon die Plätze 6 – 4 waren jedesmal eine Zitterpartie bei deren Verlesung. Na gut: 4. Platz..... - Sind wir nicht, das heisst wohl 3. Ich klammerte mich an Luigi, wollte gar nicht hinschauen: Nein, wir waren auch nicht 3. Umzingelt von TTKBlern mussten wir das Ganze noch einmal durchleben. Am Mittag waren wir 2., dann werden wir jetzt wohl auch 2. sein. Der Moderator machte es natürlich noch spannend, versteht sich, meine Nase in Luigis nassem Shirt, durchhalten, nicht wegkippen…. Nein, wir wurden auch nicht als zweitplatzierte genannt, das heisst: Kreisch, schnapp nach Luft: Wir sind 1.! Schweizer Meister!

Ein unbeschreibliches Gefühl!

 


Links:

Videos Fotos
Ergebnisliste

Turnier Tanz Klub Bern (TTKB)
www.tanzsport.ch
www.tanzsport.ch/index.jsp?mandant=dancesport&actualMode=Public&page=A&homePage=2&newsid=1300

 
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